Märchenballett in Cuxhaven

Unter dem Motto: “In längst vergangener Zeit… “  fand am Pfingstsonntag und Pfingstmontag (31. Mai und 01. Juni 2009) jeweils am Nachmittag  eine Ballettaufführung im Stadttheater Cuxhaven statt. Veranstalter war die “Ballettschule und Tanztheater” Lieselotte Faika.

Das Stadttheater Cuxhaven, welches Platz für 350 Besucher bietet (http://www.cuxhaven.de/), verfügt wegen zu hoher Kosten nicht über ein eigenes Theaterensemble, sondern wird durch externe Veranstalter bespielt (so wie bei dem Märchenballett durch die Ballettschule Faika), welche dafür dann auch bezahlen.

Theatersaal und Foyer wurden im Jahr 2000 vollständig renoviert. Andere Teile des Gebäudes, wie etwa der Schauspielerbereich hinterliessen aber einen eher sanierungsbedürftigen Eindruck. Das Theaterpersonal verhielt sich ausgesprochen freundlich.

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Das Veranstaltungsplakat. Quelle: Lieselotte und Roger-G. Faika

Die Aufführung bestand aus zwei Teilen: Der erste Teil,  “Abenteuer im Zauberwald” behandelte das Märchen  Rotkäppchen und der Wolf. Im zweiten Teil wurde das Märchen “Aschenbrödel” (Cinderella) nacherzählt. Beide Teile der Aufführung wurden von Roger-G. Faika als Märchenerzähler begleitet. Das erleichterte dem Zuschauer das Verstehen der tänzerisch dargebotenen Handlung sehr.

Abenteuer im Zauberwald:

Rotkäppchen wird von ihrer Mutter zu ihrer kranken, im Wald wohnenenden  Grossmutter geschickt, um ihr ein paar Lebensmittel zu bringen.

Auf ihrem Weg durch den Wald begegnet Rotkäppchen nicht nur einem gefährlichen Wolf, sondern auch zahlreichen Figuren aus anderen bekannten Märchen wie beispielsweise Dornröschen oder einem Bären.

Auf diese Weise wurden mehrere Märchen in einer Art tänzerischer Collage miteinander verbunden.

Im zweiten Teil wurde das Märchen “Cinderella” (“Aschenbrödel”) vorgeführt. Die Figuren aus den ersten Teil wurden dabei aber in die Handlung mit eingebunden, welche sich ansonsten aber relativ eng an das Märchen “Aschenbrödel” anlehnte:

Einem reichen Mann stirbt die Frau, so dass  er und seine Tochter allein zurückbleiben. Im darauf folgenden Jahr Jahr heiratet der Mann wieder. Die neue Frau bringt zwei eigene Töchter mit in die Ehe. Die beiden sind zwar sehr schön, aber auch sehr böse. Wann immer sich die Gelegenheit bietet ärgern und quälen sie gemeinsam mit der Stiefmutter ihre neue Schwester. Diese muss ihre schönen Kleider abgeben und bekommt dafür alte. Den ganzen Tag muss sie in der Küche schuften, um dann abends neben dem Herd zu schlafen. Da ihre Kleidung von der Herdasche grau geworden ist, geben die beiden bösen Schwestern ihr den Namen ”Aschenbrödel”.  Oft sucht sie Trost am grab ihrer Mutter.

Um für seinen Sohn eine Frau zu finden will der König des Landes ein grosses Fest veranstalten, das drei Tage dauern soll. Alle hübschen Mädchen des Landes werden eingeladen, darunter auch die beiden Stiefschwestern. Sie lassen sich von Aschenbrödel die Schuhe putzen und zurechtmachen. Aschenbrödel würde auch gern mit zum Fest gehen, und bittet ihre Stiefmutter um Erlaubnis. Diese spottet über das armselige Erscheinungsbild von “Aschenbrödel” und hält ihr vor, dass sie ja überhaupt keine passenden Kleider und Schuhe habe, um auf so einem Fest zu tanzen. Dann schüttet sie eine Schüssel Linsen in die Herdasche und fordert “Aschenbrödel” auf die Linsen binnen zwei Stunden herauszulesen. Wenn “Aschenbrödel” das gelinge, dürfe sie mitkommen. “Aschenbrödel” gelingt es die Aufgabe zu lösen, da ihr die Tauben und andere Vögel des Gartens zuhilfe kommen und die Körner aus der Asche picken. Doch die Stiefmutter bricht ihr Wort und lässt “Aschenbrödel” trotzdem nicht mitkommen.

Die verzweifelte ”Aschenbrödel” bittet ihre Tante um Hilfe, eine zauberkundige Fee. Diese verwandelt mit ihrem Zauberstab erst einen Kürbis in eine Kutsche  und dann Mäuse, Ratten und Frösche in ein Pferdegespann, einen Kutscher und in eine kleine Gruppe von Dienern. Dann zaubert die Fee noch ein goldenes Kleid und silberne Schuhe her. 

“Aschenbrödel” zieht Kleid und Schuhe an und setzt sich in die Kutsche. An allen drei aufeinanderfolgenden tagen besucht sie mit ihrem Gefolge das Fest des König. Immer wieder tanzt der Königssohn mit dem unbekannten schönen Mädchen mit dem goldenen Kleid und verliebt sich dabei in sie. Als der Königssohn ihr  gegen Mitternacht anbietet, sie nach Hause zu begleiten, ist das schöne Mädchen aber ganz plötzlich verschwunden. So wiederholt es sich auch an den beiden folgenden Abenden. Am letzten Abend versucht der Königssohn jedoch eine List. Er lässt die Schlosstreppe mit Pech bestreichen, so dass ein goldener  Schuh des Mädchens bei ihrer Flucht daran kleben bleibt.

Noch am selben Abend verkündet der Königssohn, er werde nur diejenige heiraten, der dieser goldenen Schuh passe.

Um die Besitzerin des Schuhes zu finden lädt der Königssohn noch einmal zu einem Tanzfest ein. Viele Mädchen kommen, um den Schuh anzuprobieren.  Auch “Aschenbrödels” Stiefschwestern versuchen, ermutigt durch die Stiefmutter ihr Glück, doch beiden passt der Schuh einfach nicht.

Als der Königssohn erfährt, dass es bei ihnen im Hause noch eine weitere Schwester gibt, die kleine “Aschenbrödel” mit ihren alten und schmutzigen Kleidern, lässt er auch sie kommen. Sie erscheint in ihrem schönen golden Kleid und zur Überraschung aller Gäste passt ihr der goldene wie angegosssen.  Da erkennt der Königssohn seine schöne Tänzerin wieder und nimmt sie, wie angekündigt zu seiner Frau.  ”Aschenbrödel” wird die neue Königin. Stiefmutter und Stiefschwestern die sie so lange gequält haben verlassen enttäuscht das Fest. 

Bis auf das Ehepaar Faika waren alle Aufführenden Amateure, die meisten davon Kinder aller Altersklassen aus dem Ballettunterricht.

Beide Ballettaufführungen überraschten durch gelungene Choreografie und gute tänzerische Leistungen. Frau Faika war es gelungen innerhalb kürzester Zeit  aus Teilnehmern, die sich zum Teil vorher noch nicht einmal kannten, ein funktionierendes Ensemble zusammenzuschmieden. Die zweite Aufführung am Pfingstmontag gelang in manchem tänzerischen Detail sogar noch besser, als die Premiere am Pfingstsonntag, was wahrscheinlich mit einem Übungseffekt, aber wohl auch abnehmendem Lampenfieber zusammenhängt.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass an der Aufführung auch meine Frau Hedda (als Bär) und meine Tochter Ariane (als Einhorn) teilnahmen.

Insgesamt gesehen erlebten Zuschauer und Aufführende zwei sehr schöne Nachmittage, die sie so schnell sicher nicht vergessen werden.

Die gute Nachricht zum Schluss: Es ist geplant, das Märchenballett in der Weihnachtszeit am selben Ort zu wiederholen und wer weiss, vielleicht auch noch anderswo?

Jens Christian Heuer

Die Videos wurden von mir während der beiden Vorstellungen aufgenommen.

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