2010: Sommer der Wetterextreme
Seit Wochen hält sich nun schon eine blockierende Wetterlage mit einem Trog über West- und Mitteleuropa und einem Hochkeil über Osteuropa (incl. großen Teilen Rußlands).
Wetterlage am 12. August 2010 05:oo UTC: Die Karte zeigt die Temperatur bei 850 hPa (entsprechend ca. 1,5km Höhe), die Höhenströmung (Isohypsen) bei 500hPa (ca. 5,5-6km Höhe und die Druckverteilung am Boden auf Meereshöhe bezogen (Isobaren). Quelle: MeteoGroup
Auf der Rückseite des Troges führt eine nordwestliche Strömung kühle und feuchte Meeresluft heran, auf der Vorderseite des Troges bzw. der Rückseite des Hochkeils gelangt aus Südwesten (sub)tropische Warmluft nach Osteuropa. Im Trog sorgen Tiefdruckwirbel immer wieder für zum Teil heftige Niederschläge und z.T. auch für Gewitter. Schon in den vergangenen Tagen brachte der Starkregen Überflutungen in Tschechien, Österreich und Sachsen. Neben millardenschweren Sachschäden waren auch einige Todesopfer zu beklagen. Im Einflußbereich des Hochkeils hält die extreme Hitzewelle und Trockenheit unterdessen an.
Wetterlage am 12. August 2010 06:00 UTC im Satellitenbild (Natural Color RGB).Tiefdruckwirbel in einem Trog über West- und Mitteleuropa. Östlich davon ein nahezu wolkenfreier Hochkeil. Das Bild des europäischen Wettersatelliten MeteoSat ist in den drei Wellenlängenbereichen rot, grün und blau aufgenommen (Natural Color RGB). Vegetation erscheint grün, da das Chlorophyll der Pflanzen grün deutlich besser reflektiert als rot und blau. Wolken aus kleinen Wassertröpfchen reflektieren alle Wellenlängen und sind daher hellweiß. Eiswolken erscheinen jedoch cyanblau, weil Eis rotes Licht stark absorbiert und so diese Farbe übrigbleibt. Der unbewachsene Boden ist braun, denn rotes Licht wird besser reflektiert als blaues. Die Ozeane absorbieren alle Wellenlängen und erscheinen daher beinahe schwarz. Quelle: EUMETSAT
Immer wieder ausbrechende, großflächige Torf- und Waldbrände verpesten die Luft. Die Folgen sind katastrophal. Viele Menschen, vor allem Alte, Kranke und kleine Kinder leiden unter Kreislaufstörungen und Atembeschwerden. Allein in Moskau sterben zurzeit pro Tag fast doppelt so viel Menschen wie sonst. Anstatt 360-380 wie an einem normalen Tag, sind es jetzt über 700!
Rauchschwaden nehmen den Einwohnern Moskaus den Atem und die Sicht. Quelle: AP
Auch Pakistan und China erleben derzeit Wetterkatastrophen. In Pakistan sorgte ein ungewöhnlich heftiger Monsunregen für Überschwemmungen bei denen über 1500 Menschen zu Tode kamen und wahrscheinlich hundertausende obdachlos wurden. In China kam es nach Starkregen zu Erdrutschen. Einige hundert Menschen starben.
Überschwemmungen nach extremem Monsunregen in Pakistan. Quelle Reuters
Die augenblickliche Häufung von extremen Wetterlagen ist schon auffällig, war aber auch in den letzten Jahren schon zu beobachten.
Hitzewellen einerseits, Starkregen andererseits, so hatten es die Klimamodelle schon lange als Folge der globalen Erwärmung vorhergesagt und so scheint es nun auch einzutreffen.
Der vermehrte Starkregen läßt sich leicht erklären: Die ansteigenden Temperaturen erhöhen die Wasserverdunstung – auch im Mittelmeer – und damit die Luftfeuchtigkeit. Dadurch kondensieren bei der Wolkenbildung mehr Wassertröpfchen aus, so daß entsprechend mehr Kondensationswärme frei wird. Diese zusätzliche Wärme verleiht der Luft in der Wolke mehr Auftrieb, was wiederum die Wolkenbildung und die Bildung von Regentropfen enorm verstärkt. Auch die Wassermenge, die insgesamt ausregnen kann, ist bei höherer Luftfeuchtigkeit natürlich größer. Das alles begünstigt heftige Unwetter mit Starkregen, so wie wir sie jetzt wieder erleben.
Der Trend zu blockierenden Wetterlagen im Sommer könnte vielleicht mit der überproportionalen Erwärmung der Arktis zusammenhängen, die eine Folge der globalen Erwärmung ist. Dadurch verringert sich das in dieser Jahreszeit sowieso schon relativ schwach ausgeprägte Temperaturgefälles an der Polarfront weiter. Die Höhenströmung wird dann derart langsam, daß sich blockierende Wetterlagen mit einer meridionalen Zirkulation besonders leicht einstellen können. Hitzesommer verbunden mit langanhaltender Trockenheit werden dadurch wahrscheinlicher. Die überproportionale Erwärmung der Arktis hat vor allem mit der sogenannten Eis-Albedo-Rückkopplung zu tun: Wenn das stark reflektierende Meereises schmilzt, wird die Sonnenstrahlung durch die dann freiliegende dunkle Wasseroberfläche verstärkt absorbiert. Eine anfangs nur geringe Erwärmung wird so positiv verstärkt.
Einen anderen Mechanismus schlägt der britische Meteorologe Julian Hunt am University College London vor: Durch die zunehmende Erwärmung, insbesondere auch der Meere verstärkt sich durch intensivierte konvektive Prozesse die vertikale auf Kosten der horizontalen Luftzirkulation. Dadurch wird die Höhenströmung ausgebremst, was dann wiederum eine meridionale Luftzirkulation begünstigt. Hunt konnte diesen Mechanismus mit einem Modell erfolgreich demonstrieren.
Im Zusammenhang mit dem Extremwetter in Rußland, Pakistan, und China und Sachsen bleibt ein mulmiges Gefühl. Auch wenn einelne Wettergeschehnisse die globale Erwärmung nicht “beweisen”, so erscheint doch ein Zusammenhang zumindest plausibel. Genau werden wir es erst in einigen Jahrzehnten wissen, wenn dieser Sommer in eine korrekte Wetterstatistik eingegangen ist, die allein einen Klimawandel wissenschaftlich bestätigen kann.
Doch schon heute ist das Vorsorgeprinzip zu beachten. Sinnvoll erscheinen die Förderung und Umsetzung technischer Innovationen auf dem Energiesektor (Somnne, Wind, Kernspaltung, Kernfusion statt fossiler Brennstoffe)
Mit fossilen Brennstoffen als Hauptenergiequelle erscheint eine langfristige positive Zukunftsperspektive für die Menschheit unmöglich. Man stellen Sie einmal vor, einen Sommer mit einer Hitzewelle wie in Rußland und Überschwemmungen wie in Pakistan würde auch nur annähernd zum Regelfall!
Jens Christian Heuer
Über diesen Eintrag
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- Veröffentlicht:
- Freitag, 13 August, 2010 / 13:48
- Kategorie:
- Klimawandel, Wetter
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